Automaten und androiden von Robert-Houdin

Jean Eugène Robert-Houdin
Jean Eugène Robert-Houdin
Dokument von Jean-Luc Muller

Jean Eugène Robert-Houdin, Uhrmacher und Mechaniker sowie Zauberkünstler und Erfinder, wurde am 6. Dezmber 1805 in Blois geboren und am 13. Juni in Saint-Gervais,in der Nähe von Blois, gestorben. Er ist betrachtet als der grösste Zauberkünstler aller Zeiten. Fast alle "grossen Tricks" der derzeitigen Zauberei sind auf die Vervollkommungen seiner Erfindungen zurückzuführen.

Dieser unvergleichlicher Schaffer baute auch Automaten, die er in seinem Theater "Soirées Fantastiques" (Fantastische Abende)im Palais Royal vorstellte.
Er war ebenfalls ein großer Erfinder: man muss ihm z.B. lange vor Edison, der Erfindung der Glühbirne

mit pflanzlichem Glühfaden) verdankbar sein sowie dem elektrischen Plastron, den automatischen Türen, dem Kilometerzähler und Geräte, die den Augenärzten erlaubten, ins Auge hineinzuforschen.

Der mysteriöse Reiz, den auf den Mengen die von Vaucanson, den Jaquet-Droz, den Maillardet Brüdern gebauten Automaten und viel anderen bekannten Handwerkern ausübten, musste früher oder später, die Zaubeerkünstler anspornen, die Automatenvorstellung zu ihren Schauspielen hinzuzufügen.
Obwohl Robert-Houdin der Schöpfer echter Automaten war, die durch gelehrte mechanische oder uhrmechanische Kombinationen funktionierten, begann dieser die Schaffung Trickautomaten,die mit Fäden funktionnierten, die von an der Öffentlichkeit unsichtbaren Hände oder einem in den Flanken eines Mannequins (oder auch unter einem Tisch) versteckten lebenden Wesen gesteuert wurden.

Trickautomat im theater Robert-Houdin
Trickautomat im Theater Robert-Houdin Enigma, die singende Büste

Gegen Ende des 18.Jahrhunderts übernahmen einige Automatenvorsteller das Pedalsystem. In seinem posthumen Werk "Magie und am¨sierende Physik" beschreibt Robert-Houdin diese Bewegungssysteme. " Das pedal ist aus drei Sthaldrähten gemacht; zwei sind fest und bilden,was wird mechanischerweise ein "Gehäuse" genannt, der dritte ist beweglich und kommt über die anderen, wenn man die Schnur zieht. Die Feder, die darunter ist, soll die Stange ins originelle Ort zurückbringen, wenn man die Schnur losmacht;
Wenn mehrere dieser Pedalen stehen in der Reihe,bilden sie einen sogenannten "Pedalesatz". Nehmen Sie ein Pedalesatz aus 10 Pedale, werden die auf Rollen gestützten 10 Schnüre rechts und links durch die Tischfüsse übergehen und unters Theater gesteuert bis zu einer Tastatur, wovon sie gemäss ihrer Tischordnung sortiert werden.
Wenn die Stangen über dem Tisch gehoben werden, werden sie den im Sockel der Maschine gesetzten betreffenden Pedalen entgegenkommen und die lassen entweder einen Arm bewegen lassen oder den Kopf, oder jedes andere Teil der Puppen oder der Maschine.

Hier unten finden Sie einige Beschreibungen der Hauptautomaten von Robert-Houdin:

Robert-Houdin
Robert-Houdin und hinten steht sein schreibender Android
Dokument von Jean-Luc MULLER

Der Schreiber und Zeichner
Der Schreiber und Zeichner, von Robert-Houdin gebaut.
Dokument von André Keime-Robert-Houdin

Der Schreiber und Zeichner : Robert-Houdin erzählt in seiner Denkschrift, dass er die Pläne eines Automaten entworfen hatte, auf den er grosse Hoffnung gesetzt hatte. Es handelte sich um einen Schreiber-Zeichner, der die von den Zuschauern gestellten Fragen mit emblematischen Sätzen oder Zeichnungen antwortete.
An der 1844 Ausstellung stellte Robert-Houdin seinen schreibenden Automaten vor und bekam dafür eine Silbermedaille.

Barnum, der von Robert-Houdin damals den Automaten kaufte, beschreibte den wie folgt: " Ich zahlte für diesen schreibenden Künstler-Automaten einen guten Preis. Der sass vor einem kleinen Tisch,einen Bleistift in der Hand und wenn man ihn z.B. nach dem Emblem der Treue fragte, zeichnete er gerade einen schönen Hund, wurde er das der Liebe gefragt, zeichnete er einen herragenden Cupido. Der Automat gab auch die Antworten beim Schreiben.
Darauf beziehen sich Chapuis und Gelis in ihrem Buch " Le monde des Automates " (Die Welt der Automaten) Diese verschiedenen Details führen uns dazu, einige Bemerkungen zu machen. Robert-Houdin, der von Vaucanson und anderen Automatenbauern erzählt, zitiert in seiner Denkschrift weder mal die Jaquet-Droz, die Leschot noch Henri Maillardet.

Ausserdem waren für einen allein arbeitenden Mann achtzehn Monate nicht genug, um einen solchen Android zu bauen (vgl. Stelle über die Androïdherstellung in seiner Denkschrift) Man muss beiläufig erinnern, dass die Jaquet-Droz Familie sechs Jahre brauchten,um ihren Automaten zu bauen.

Schliesslich- so ein seltsam Zufall !- waren die Zeichnungen von Robert-Houdins Automaten (Cupido, gekrönter Königskopf,Hund)teilweise dieselben wie die des Automatenzeichners von den Jaquet-Droz und ihrer von Henri Maillardet gekauften zweiten Kopie.
Alles lässt glauben, dass dieser Android 1865 in New-York gemeinsam mit den Sammlungen des Grossen Barnum in einem grossen Brand ausbrannte.

Der Garde-Française von Robert-Houdin
Der Garde-Française von Robert-Houdin. Dokument von André Keime-Robert-Houdin

Der Garde-Française. : Robert-Houdin beschrieb diesen Pedalautomaten folgendermassen : Ein kleiner Automat, der die Kleidung eines Garde-Française trug, wurde auf einen Tisch gebracht. Er trug eine Muskete mit, präsentierte das Gewehr und wartete auf einen Befehl.
Zunächst, als guterzogener Automat, begrüsste er respektvollerweise das Publikum. Dann lag er seine Waffne entfernt und mit der rechten Hand sandte einige Küsschen zu den Kindern, die er im Saal bemerkte.

Verschiedenen Damen aus dem Publikum liehe ich vier Ringe und einen weissen Handschuh, machte ein Päckchen davon und stellte es in die kleine Flinte, die ich zuerst ladete und scharf machte.

" Da ! Nehmen Sie !", sagte ich zu dem Garde-Française, "Ich gebe Ihnen ihre Waffe zurück. Sie enthält einen Handschuh und vier Ringe. Zeigen Sie jetzt wie geschickt Sie sind und senden Sie all diese Gegenstände auf diesem Zielpunkt." Ich zeigte ihm eine Säule aus Kristall, die auf einem anderen Tisch stand.

Der Automat legte an, stellte den Finger auf den Abzug, visierte an und am Signal, das ich ihm gab, Feuer machte. Die in der Flinte enthaltenen Gegenstände fielen auf der Säule und der geschwollene Handschuh, wie von einer unsichtbaren Hand getragen, stand auf dem Kristallgipfel und trug die mir anvertrauten Ringe auf den Fingern.

Der Konditor des palais Royal,
Der Konditor des Palais Royal, von Robert-Houdin gebaut.
Dokument von André Keime-Robert-Houdin

Der Konditor des Palais Royal

Gucken Sie mal diesen reizenden Automaten! Wenn sein Master ihn aufruft, kommt er aud die Türschwelle und dermassen höfflicher und geschickter Konditor begrüsst er die Kunden und wartet auf ihre Aufträge. Er bringt die bestellten heissen Hefekuchen aus dem Ofen, allerlei Kuchen, Sirup, Liköre, Eis usw...mit. Und, wenn er allen Kunden serviert hat, hilft er seinem Master mit seinen Zaubertricks ".

Dieser Automat, so berühmt wie mysteriös, wurde von einem Jungen gesteuert,der im Hinterteil des Geschäftes im Schneidersitz sass. Oben über der Tür und den Fenstern war ein speicherartiger freier Raum,wovon der Junge auf das vom Konditor hingereichte Tablett die Kuchen und Getränke stellte, und dies durch eine in der Decke eingerichtete Falltür, wenn die Geschäftstüren geschlossen waren.
Im linken Fenster konnte man Konditoren sehen, die den Teig rollten und die Mandeln zerstampften. Ihre Bewegungen entsprachen Uhrlaufwerken, die durch die Öffnung und die Schließung der Haupttüren hochgekurbelt und gesteuert wurden. Jedesmal wenn diese Türen sich öffneten, hörten die Arbeiter auf zu arbeiten und fangen wieder erst nach der Türschließung. Die Bewegung der anderen Charaktere, Konditor und Konditorin, die Türöffnung-und Schließung wurden vom Kind ausgeführt, der liess sich nicht blicken.

Der magische Orangenbaum von Robert-Houdin
" Der magische Orangenbaum"
Dokument von André Keime-Robert-Houdin

Der magische Orangenbaum: :

Robert-Houdin lieh ein Taschentuch von einer Dame, machte davon eine Kugel, die er neben ein Ei, eine Zitrone und eine Apfelsine stellte. Diese vier Gegenstände verschwanden eine in den anderen, und wenn sie alle in der Apfelsine versammelt waren. Diese diente dazu, einen phantastischen Likör zu machen. Dafür wurde die Apfelsine in den Händen von Robert-Houdin gepreßt, wo sie kleiner bis zum Pulver wurde, das in ein Fläschchen überging, das Weingeist enthielt.

Dann wurde der Orangenbaum ohne Blumen noch Früchte gebracht. Etwas der phantastische und brennbare Likör wurde in eine Vase gegossen, die man auf den Strauch setzte, nachdem Feuer zu dem angezündet wurde. Man sah die Zweige blühen, deren Blüte wurden danach durch Früchte ersetzt, die an die Zuschauer außer nur einer Apfelsine verteilt wurden. Diese wurde auf dem Baum gelassen, der sich in vier Teilen öffnete und in dem man bemerkte das geliehene Taschentuch. Zwei fliegende Schmetterlinge nahm es an den Ecken und entfalteten es, indem sie sich in die Luft erhoben.
Dieses Stück wurde durch Pedale gesteuert. Echte Apfelsinen wurden auf Nägel eingeschlagen und vom Laub verborgen, das sich zum gewollten Zeitpunkt auseinandermachte, um sie zu enthüllen. Die Blumen wurden in kleinen Röhren verborgen, aus denen sie auftauchten, indem sie sich aufblühten und diess durch ein Pedalwerk. Die letzte Apfelsine, die aus Metall war, öffnete sich in vier Teilen, die auf Scharnieren aufgebaut wurden. Sobald die Apfelsine offen war, wurden die zwei künstlichen Schmetterlinge, die auf unsichtbaren Stahlfäden aufgebaut wurden, in die Luft geschleudert und es sah so aus, als sie flögen.

Antonio Diavolo, von Robert-Houdin gebaut
Antonio Diavolo, von Robert-Houdin gebaut Dokument von André Keime-Robert-Houdin

Antonio Diavolo, der Trapezkünstler

In seiner "Denkschrift" schrieb Robert-Houdin:" Ich brachte meinen jungen Holzkünstler zwischen meinen Armen, wie ich es für ein lebendes Wesen machte, ich es stellte auf dem Trapezetab, und darauf stellte ich ihn ein paar Fragen, die er durch Kopfzeichen beantwortete.

-Befürchten Sie nicht zu fallen?
- Nein

-Sind sie bereit Ihre Übungen zu machen?
-Ja !

Dann am ersten Takt des Orchesters begrüßte er voller Anmut die Zuschauer, indem er sich in aller Richtungen des Saales drehte. Dann an den Armen hängend und dem Musiktakt nach ließ er sich mit einer extremen Kraft schaukeln.
Danach ruhte er sich ein Moment und er rauchte die Pfeife. Dann leistete er einige Kunststücke auf dem Trapez so wie z.B. sich aus der Armkraft aufzurichten und sich den Kopf unten zu halten, während er mit seinen Beinen schnelle Kunstfiguren ausführte.
"Um zu beweisen, daß seine mechanische Existenz in sich selbst war, machte mein kleiner Diavolo das Seil aus seinen Händen los, hing sich an den Füssen und verließ bald völlig das Trapez ".

Notiz mit dem Automaten geliefer
Notiz mit dem Automaten geliefert
Dokument aus der Bibliothek von Blois

Diese Figur funktioniert durch Drahtziehen und Pedale. Eine Reihe von acht Drähte geht von der linken Kulisse ab, dann durch auf dem oberen Teil der Szene festgelegte Rollen übergeht, dann auf andere Rollen, die auf dem Gipfel der wahrscheinlichen Trapezeseilen gesetzt sind, aber die in Wirklichkeit hohle Röhren sind, um zu den zwei auch hohlen Enden des Trapezestabes zu führen. Zwei an die beiden Enden gesetzte Rollensätze führen diese Fäden auf das Stabzentrum zurück, wo sie ein Werksatz von sechs

sehr kurzen Pedalen, die am gleichen Niveau mit dem Stab funktionnieren, das heisst genau wo der Automat seine Hände stellt.
Alle Drahtziehen enden in der Kulisse,manche durch Ringe, die durch Haken, die sie zu bestimmten Zeitpunkten aufrechterhalten, und andere durch Spulen, die man mit der hand zieht. Ab einer großen Rolle (links des Trapezestabes) gehen vorwärts und rückwärts zwei andere große Drähte und treiben den Automaten an, der das fortschreitende Schwingen des Trapezes antreibt, das wegen der Verlagerung seines Schwerpunkts erfolgt.
In den Armen und den Händen des Automaten befindet sich eine Reihe von Hebeln, auf denen die Pedale unterstützen, die aus dem Stab des Trapezes herauskommen. So werden allen Körperteilen die Bewegungen ermittelt: Kopfzeichen, Kippen um die Achseln, Hängen an den Kniekehlen - und nicht an den Füssen, wie es Robert-Houdin gesagt hat - Losgehen der Hände, wenn der Automat mit dem Kopf unten ist, an den Kniekehlen hängend, Gleichgewicht auf den Händen, usw. Ebenso wie Befestigen der Hände am Trapez, wenn man ihn darauf stellt, und Loslassen des Automaten, wenn er in die Hände des Vorführers fällt.

Foto aus dem Dokumentarfilm
Foto aus dem Dokumentarfilm
"
Eines Magiers Leben"
Dokument von Jean-Luc Muller

All dies wird durch diese Pedale, diese Hebel erhalten: Erweiterung der Bewegung im Körper des Automaten durch Differentialbewegungen. Nur wird das Schaukeln des Trapezes durch den rotierende Stab produziert, der die den kleinen Charakter antreibt. Eine am erfinderichsten aber auch sehr komplizierte Vorrichtung hindert die Fäden daran, sich zu durchbohren und zu klemmen, wenn das Trapez dreht.

Durch einen sehr gut entworfenen Trick kann Diavolo die Hände loslassen, wenn er an den Kniekehlen hängt. Zwei flache Röhren werden in den zwei Armen untergebracht, durch die die Stämme der Hebel übergehen, und diese Röhren bleiben immer auf dem Trapez. Es sind nur zwei falsche Arme (einerseits offen), die fallen, während die Röhren am Körper geklebt bleiben. Diese Röhren, die mit rotem Samte bedeckt werden und die der Automatenjacke so ähnlich sehen, sind unsichtbar.
Im übrigen erfolgt das in einem Blitzschwingen und in einer sehr kurze Zeit, da die Arme schnell zu ihrer normalen Position zurückkommen, wenn der Automat auf das Trapez wiederhinaufgeht. Die Überraschung ist so groß, wenn er das Trapez losläßt und die Arme auseinandermacht, dass das Publikum keine Zeit hat zu bemerken, daß die Arme hohl sind.

Die Gesangsstunde von Robert-Houdin
" Die Gesangsstunde von Robert-Houdin"
Foto aus dem Museum Paul Dupuis/Toulouse

Die Gesangsstunde:

Robert-Houdin ist der Bauer mehrerer echter Automaten, die als Thema eine Gesangsstunde haben, die von einer jungen Frau an einem Vogel gelehrt wurde.
Das Museum Paul Dupuis von Toulouse verfügt über eine dieser Gesangsstunden, die wir nebenstehend vorstellen.
Wie in jeder Gesangsstunde lässt eine junge Frau einen auf einer Stange sitzenden Vogel ein Vogelgesang. Dann wiederholt der Vogel das Gesangsmodell, indem er sich in allen Richtungen schüttelt.

Aber nach einigen Musiknoten unterbricht die junge Frau den Vogel, dreht die Kurbel des Instrumentes, um ihm das Modell erneut hören zu lassen. Der Vogel pfeifft ein zweites Mal, aber diesmal ohne Notenfehler.